Ausbildung & Ablauf
Die Ausbildung eines Blindenführhundes gehört mit zu den anspruchsvollsten Aufgaben im Bereich der Assistenzhunde. Damit ein Hund später Menschen sicher durch komplexe Alltagssituationen führen kann, braucht er eine fundierte Ausbildung, eine sehr sorgfältige Sozialisierung und eine Umgebung, in der er zu einem stabilen, belastbaren und verlässlichen Partner heranwächst.
Servicehunde Mitteldeutschland bildet Blindenführhunde nach den Anforderungen der Assistenzhundeverordnung (AHundV), nach den fachlichen Standards des SGB V (§ 33 & § 126) sowie nach den Kriterien des DBSV-Präqualifizierungsverfahrens aus.
Darüber hinaus verfolgen wir ein klares Qualitätsprinzip, das uns deutlich von einigen anderen Anbietern unterscheidet.
Unser Alleinstellungsmerkmal: Kein Zufall – sondern gezielte Qualität
1. Keine Patenfamilien – bei uns sozialisieren ausschließlich Fachkräfte
Wir setzen bewusst keine Patenfamilien ein.
Alle Welpen und Junghunde werden ausschließlich von ausgebildeten Hundetrainern unserer eigenen Firma betreut, begleitet und sozialisiert.
Das bedeutet:
- Jeder Entwicklungsschritt wird fachlich korrekt angeleitet.
- Fehlverhalten oder Überforderung werden frühzeitig vermieden.
- Die Sozialisierung erfolgt gezielt, geplant und dokumentiert.
- Die Hunde profitieren von kontinuierlicher, professioneller Anleitung.
Damit stellen wir sicher, dass kein Hund „nebenbei“ aufwächst, sondern von Beginn an optimal vorbereitet wird – so, wie es die hohe Verantwortung der Führhundearbeit erfordert.
2. Keine Zwinger, keine Boxen – unsere Hunde leben als Familienmitglieder
Unsere Blindenführhunde leben nicht in Zwingern, Hundehäusern oder Boxen, sondern voll integriert in unserer Familie. Sie kennen:
- das echte Zusammenleben mit Menschen, auch nachts,
- verschiedene Tagesabläufe,
- Haushaltsgeräusche und die Regeln des Zusammenlebens,
- Besucher, Kinder und Alltagstrubel,
- Pausen genauso wie Aktivität,
- und selbstverständlich auch das Alleinbleiben, das sorgfältig und fair aufgebaut wird.
Ein Hund, der später einen Menschen sicher durch eine komplexe Umwelt führen soll, muss diese Umwelt von klein auf real kennen – nicht unter künstlichen Bedingungen. Diese Lebensform ist für uns sehr arbeitsintensiv, aber sie sorgt für Hunde, die mental stabil, sozial sicher und verlässlich im Alltag sind.
3. Aufbau eines eigenen Zuchtstamms – Qualität statt Ausfallquote
Wir bereiten aktiv den Aufbau eines eigenen, sorgfältig ausgewählten Zuchtstamms vor.
Ziel ist es, Hunde zu züchten, die:
- gesundheitlich belastbar sind,
- überdurchschnittlich stabile Nerven besitzen,
- sozial sehr verträglich und freundlich sind,
- eine hohe Arbeitsmotivation zeigen,
- hervorragende Voraussetzungen für die Führhundearbeit mitbringen.
Damit reduzieren wir langfristig die Ausfallquote und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass ein Hund erfolgreich bis zur Gespannprüfung geführt werden kann.
So entsteht eine verlässliche, nachhaltige Grundlage für die Ausbildung von Assistenzhunden – einschließlich Blindenführhunden.
Ablauf der Ausbildung
Die Ausbildung gliedert sich in klar definierte Schritte:
1. Frühzeitige und hochwertige Sozialisierung
Bereits in den ersten Lebenswochen lernen die Hunde:
- verschiedene Menschen, Altersgruppen und Tiere kennen,
- unterschiedliche Geräusche und Umgebungen,
- alltägliche Abläufe im Haushalt,
- die Regeln des Zusammenlebens,
- erste Orientierungsspiele und Motorikförderung.
Die Sozialisierung ist professionell geplant und erfolgt ausschließlich durch unsere Hundetrainer.
2. Grundgehorsam und Umweltstabilität
Im Junghundealter erfolgen:
- die Perfektionierung der Leinenführigkeit
- das zuverlässige Ausführen von Signalen
- verstärkte Orientierung am Menschen
- ruhiges Verhalten in Alltagssituationen
- Impulskontrolle und Frustrationstoleranz
- selbstständiges Gelassenheitsverhalten
Parallel lernen die Hunde immer komplexere Umweltsituationen kennen.
3. Spezifische Führtechniken
Dazu gehören:
- sichere Wegführung
- Anzeigen und Umgehen von Hindernissen
- Orientierung an Treppen, Bordsteinen, Engstellen
- Finden definierter Ziele (Türen, Ausgänge, Haltestellen)
- Arbeit im Führgeschirr
Diese Phase wird kleinschrittig und systematisch aufgebaut.
4. Verkehrssicherheit
Der Hund lernt u. a.:
- korrektes Verhalten an Straßen
- Einschätzen von Querungssituationen
- Umgang mit Baustellen, E-Scootern, Fahrzeugen und Menschenmengen
- fokussiertes Arbeiten unter Ablenkung
5. Komplexe Mobilitätsaufgaben
In dieser Phase wird die Alltagsrealität simuliert:
- einkaufen gehen
- öffentliche Verkehrsmittel nutzen
- komplexe Gebäude navigieren
- wechselnde Tageszeiten und Wetterbedingungen
- Begegnungen mit anderen Tieren
- Arbeit in belebten Innenstädten
6. Individuelles Teamtraining / die Einschulung
Die Einschulung ist die Phase, in der:
- der Blindenführhund mit seinem zukünftigen Menschen zusammengeführt wird,
- beide die gemeinsame Arbeit erlernen,
- die Kommunikationswege gefestigt werden,
- die täglichen Routen, Gewohnheiten und Anforderungen des Menschen im Detail trainiert werden.
Es geht darum, aus zwei Individuen ein funktionierendes, sicheres und harmonisches Team zu formen.
Bei Servicehunde Mitteldeutschland wird diese Phase ausschließlich von erfahrenen Hundetrainern begleitet – dieselben Fachkräfte, die bereits die anspruchsvolle Sozialisierung und Grundausbildung durchgeführt haben. Dadurch bleibt die Qualität über alle Ausbildungsstufen hinweg konstant.
7. Gespannprüfung
Die Gespannprüfung ist der Abschluss der Ausbildung. Sie stellt sicher, dass:
- der Hund die Führhundaufgaben sicher beherrscht,
- der Mensch die richtige Handhabung beherrscht,
- beide gemeinsam zuverlässig arbeiten,
- das Gespann im Alltag sicher bestehen kann.
Die Gespannprüfung ist zwingend erforderlich, um den Blindenführhund als Assistenzhund nach AHundV anerkennen und nach § 33 SGB V als Hilfsmittel gegenüber der Krankenkasse geltend machen zu können. Damit erlangen Sie auch die erweiterten Zutrittsrechte, die im Behindertengleichstellungsgesetz verankert sind.

